Traumatherapie

Was versteht man unter einem Trauma?

Unter einem psychischen  Trauma  (griechisch: Wunde, Verletzung) bzw. traumatischem Erlebnis wird ein plötzliches und unvorhersehbares Ereignis verstanden, welches bei fast jedem Menschen Todesangst, Gefühle des völligen Ausgeliefert-Seins und eine tiefgreifende Verzweiflung hervorrufen würde.

Was von einer Person als belastend oder gar traumatisierend erlebt wird, hängt von vielen Faktoren ab. Zum Beispiel von der psychischen Widerstandsfähigkeit, von der Art, der Schwere und der Dauer des Erlebnisses, von der Unterstützung durch das soziale Umfeld (Familie und Freunde) und wie lange es dauert, wieder ein Gefühl der Sicherheit herstellen zu können.

Das Erlebnis an sich hat noch keinen Krankheitswert. Häufig entwickeln jedoch traumatische Erinnerungen, wenn das Ereignis nicht entsprechend verarbeitet werden kann, ein Eigenleben und führen so zu psychischen Folgestörungen.

Traumatisch kann jede Situation oder Erfahrung sein, die in einer Person einen Zustand der Verwirrung, des Schocks, das Gefühl des Verlustes der Kontrolle, der Hilflosigkeit und der Handlungsunfähigkeit auslöst. All das sind normale Reaktionen auf ein unnormales, traumatisches Ereignis.

Bei traumatischen Erfahrungen wird die natürliche, sonst selbstständig funktionierende Informationsverarbeitung einer Person gestört. Die mit der traumatischen Situation verbundenen Informationen (Gefühle, Körperempfindungen, Gedanken, äußere Abläufe, Verhaltensweisen etc.) bleiben unverarbeitet. Im Gehirn entstehen "Blockierungen", wodurch das Erlebte isoliert bleibt. Hier kann eine Traumatherapie helfen, die natürliche Informationsverarbeitung wieder zu aktivieren und die Auflösung des Traumas im Sinne einer Neuverarbeitung zu fördern.

Im Allgemeinen wird von einem traumatischen Erlebnis gesprochen, wenn:

  • eine  außergewöhnliche  psychische  oder  körperliche  Belastung oder Bedrohung erlebt wird
  •  ein  Mensch  mit  der  Möglichkeit  des  eigenen  Todes  oder dem plötzlichen Tod einer nahestehenden Person konfrontiert wird
  • eine  lebensbedrohliche  Situation  mit  (subjektivem) Kontrollverlust eintritt
  • das  Ereignis  in  der  betroffenen  Person  Gefühle  von Ohnmacht, Hilflosigkeit, Ausgeliefertsein, Verzweiflung und Angst auslöst, da sie der gefährlichen  Situation  weder durch  Kampf noch  durch Flucht entrinnen kann.

Die Folgen eines traumatischen Erlebnisses können sich sehr unterschiedlich auswirken. Häufig fühlen sich die Betroffenen sowohl körperlich als auch seelisch und sozial verletzt. Daher ist eine vielschichtige Aufarbeitung notwendig.

Beschwerdebilder nach traumatischen Erlebnissen 

Grundsätzlich können Symptome für eine Traumafolgestörung u.a. sein:

  • Albträume
  • Ständiges Wiedererleben und Grübeln der traumatischen Situation
  • Depressionen und Angstzustände
  • Vermeidungsverhalten
  • Körperliche Beschwerden
  • Schlafstörungen
  • Nervosität
  • Sich innerlich abwesend fühlen
  • Konzentrationsstörungen
  • Leistungsstörungen
  • Unerklärliche Gereiztheit und Wutausbrüche
  • Tiefes Misstrauen gegenüber anderen Menschen

Generell werden folgende Traumafolgestörungen unterschieden:

Akute Belastungsreaktion

Unmittelbar nach dem Ereignis und die Tage danach erleben Menschen als  normale Reaktion auf solche außergewöhnlichen Ereignisse  typischerweise eine Art  "Betäubung", Desorientierung,  Unwirklichkeitsgefühle und eingeschränkte Aufmerksamkeit. Sie ziehen sich z.T. von der Umwelt zurück oder erleben Unruhezustände, panische Ängste, Hyperaktivität, Schwitzen und Herzrasen. Manchmal können sie sich an die Ereignisse kaum oder gar nicht erinnern (Amnesie). Die Beschwerden bilden sich oft innerhalb von mehreren Tagen zurück, wenn die Person das Ereignis verarbeiten kann.

Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS):

Kann der oder die Betroffene das traumatische Erlebnis auf Dauer nicht verarbeiten, wird nach ca. 3 Monaten die Diagnose einer PTBS gestellt.

Interessant ist, dass sich nicht zwangsläufig bei jedem, der ein traumatisches Ereignis erlebt hat, auch eine PTBS entwickeln muss. Ob sich eine solche Folgestörung entwickeln wird, hängt von vielen verschiedenen Umständen / Faktoren ab: z.B. ob und wie der Betroffene (danach) Hilfe und Unterstützung erfuhr, über welche Bewältigungsstrategien (sog. Ressourcen) er verfügt und wie stabil seine Lebenssituation zur Zeit des Ereignisses war. Bei jemandem, der vorher schon traumatische Erlebnisse erlitten hat, kann der erneute Vorfall dann zum Zusammenbruch seiner Bewältigungs-möglichkeiten und seelischen Stabilität führen (seelische Dekompensation).

Die seelischen Symptome können oftmals aber auch erst verzögert, d.h. Wochen bis Monate nach dem traumatischen Erlebnis auftreten. Manche Menschen können das Trauma auch scheinbar gut "wegstecken", sie wirken auf andere normal und fühlen sich selbst auch nicht massiv belastet. Allerdings entwickeln sie dabei oft einen eingeschränkten Lebensstil, vermeiden viele Lebensmöglichkeiten (ziehen sich z.B. sozial zurück) und Anlässe, die sie an das Trauma erinnern könnten und wirken so scheinbar stabil. Das kann sich über Jahre hinziehen. Diese Betroffenen kommen oft erst dann in Therapie, wenn sie an den Einschränkungen massiv leiden oder durch Veränderungen im Lebensalltag die traumatischen Erinnerungen wieder getriggert d.h. ausgelöst und erlebbar werden.

Die PTBS ist durch folgende Symptome gekennzeichnet:

  • Wiedererleben der traumatisierenden Situation (sog. ”Flashbacks“ und Intrusionen) in Form von Bildern, Geräuschen oder Gerüchen, welche unmittelbar dem traumatischen Ereignis entspringen. Dies fühlt sich so real an, als ob die traumatische Situation sich jetzt gerade wieder ereignet.
  • Übererregbarkeit (sog. ”Hyperarousel“) z.B. erhöhte Schreckhaftigkeit, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen usw.
  • Vermeidung von Reizen (z.B. Orte oder Situationen), welche an das belastende Erlebnis erinnern
  • Taubheitsgefühle gegenüber eigenen Empfindungen und anderen Menschen

Da sich viele Betroffene für das Erlebte und ihre Symptome schämen oder den Zusammenhang zwischen ihren Symptomen und dem traumatisierenden Ereignis nicht erkennen können, erhalten sie oft erst spät die entsprechend notwendige psychotherapeutische Hilfe.

Das Erleben eines traumatischen Ereignisses kann nicht nur eine posttraumatische Belastungsstörung zur Folge haben. Betroffene haben auch ein deutlich erhöhtes Risiko, andere psychische und/oder körperliche Beschwerdebilder zu entwickeln. Besonders häufig kann es dabei zu Depressionen, Angststörungen, Essstörungen, Abhängigkeitserkrankungen (Alkohol-, Medikamentenmissbrauch als Beruhigungsstrategie), sowie zu körperlichen Beschwerden ohne organische Ursachen kommen (sog. somatoforme Störungen).

Diese Störungen ergeben sich oft aus den Symptomen der posttraumatischen Belastungsstörung. So führt z.B. das Vermeiden von Orten oder Situationen, welche an das traumatische Erlebnis erinnern, zur Einengung und zum Rückzug und damit zum Verlust sozialer Kontakte und in der Folge dann z.B. zu Depressionen.

Auftretende Überregungssymptome (wie z.B. eine erhöhte Anspannung oder Schreckhaftigkeit) versuchen Betroffene mitunter mittels Alkohol oder Beruhigungsmitteln zu vermindern. Dies kann jedoch eine komplizierte Suchtproblematik nach sich ziehen.

Andere Menschen entwickeln sogenannte dissoziative Störungen. Sie spalten dabei im Alltag oder in bedrohlich erlebten Situationen Teile ihres Erlebens vom Bewusstsein ab, können sich z.B. an wichtige Details oder Abschnitte ihres Erlebens nicht erinnern. Wenn den betroffenen Menschen solche Reaktionen auffallen, reagieren sie oft irritiert, ängstlich oder denken, sie seien "verrückt" geworden. Diese dissoziativen Störungen dienen aber eher ihrem Schutz. Die Betroffenen haben während der traumatischen Situation das Unerträgliche durch Dissoziation ausgehalten und so ihr seelisches Überleben gesichert (ähnlich dem Totstellreflex bei Tieren). Deswegen führen sie diese Strategie automatisch auch dann noch fort, wenn die traumatische Situation schon beendet ist. Im Laufe der Zeit verselbständigt sich dies immer mehr und verursacht im Alltagsleben massive Schwierigkeiten.

Das gleichzeitige Auftreten mehrerer Beschwerdebilder ist bei Menschen, die eine traumatisierende Situation erlebt haben, häufig. Das führt dazu, dass die meisten Traumapatienten mehr als eine Diagnose zugeordnet bekommen.

Komplexe posttraumatische Belastungsstörung

Diese Störung ist ein vielschichtiges Beschwerdebild, welches sich infolge sehr schwerwiegender und über einen längeren Zeitraum fortdauernder traumatischer Erlebnisse (z.B. körperliche und/oder emotionale Vernachlässigung in der Kindheit, Misshandlungen oder sexueller Missbrauch, Krieg, Folter usw.) entwickeln kann.

Sie ist dementsprechend durch eine Vielfalt an schweren psychischen, körperlichen, sozialen und zwischenmenschlichen Beeinträchtigungen gekennzeichnet.

Dazu zählen z.B.:

  • Veränderungen in der Gefühlswelt
  • Körperliche Beschwerden (Schmerzen, Verdauungsprobleme usw.) ohne Auffinden organischer Ursachen
  • Dissoziative Symptome, d.h. Abspaltung von Teilen des Erlebten aus dem Bewusstsein
  • Selbstschädigung/ Selbstverletzung, Selbstmordgedanken- bzw. -impulse
  • Veränderungen in der Selbstwahrnehmung
  • Veränderungen in der Sexualität und Beziehungsgestaltung

Eine komplexe Posttraumatische Belastungsstörung kann sowohl direkt nach den traumatischen Erlebnissen als auch mit zeitlicher Verzögerung (Monate bis Jahrzehnte) in Erscheinung treten.

Wie sieht eine Traumatherapie konkret aus?

Diese folgt meist einem Ablauf, der sich grob in 3 Phasen unterteilen lässt.

1. Stabilisierungsphase

In der Stabilisierungsphase lege ich den Fokus zunächst auf den Aufbau einer vertrauensvollen therapeutischen Beziehung zwischen Therapeutin und Klient/in. Nur wenn sich Betroffene sicher und „gut aufgehoben“ fühlen, kann eine Traumabehandlung erfolgreich sein.

In diesem Zusammenhang erläutere ich den KlientInnen, dass ihre aktuellen Beschwerden eine Folge ihrer traumatischen Erlebnisse bzw. deren unvollständiger Verarbeitung sind. Wir besprechen, auf welche Weise sich bestimmte Symptome gebildet haben, welchen Sinn diese haben (z.B. Dissoziation als Schutz des Betroffenen vor dem unerträglichen Horror etc.) und wie heute eine Lösung für diese Dilemmata aussehen kann.

Voraussetzungen für eine schonende und erfolgreiche Traumatherapie sind neben stabilen Lebensumständen sowie äußerer Sicherheit, insbesondere ausreichende Fähigkeiten zur Selbstfürsorge und zur Steuerung der eigenen, oftmals sehr belastenden, Gefühle. Die Stabilisierung beinhaltet deshalb vor allem das Erlernen von Strategien zur Affektregulation, d.h. es werden Fertigkeiten erlernt, um mit starker Anspannung und heftigen Gefühlen (z.B. Wut, Ärger, Schuld, Scham, Ekel etc.) umgehen zu können, ohne sich selbst zu schaden.

Dazu zählt, dass vielfältige Techniken zur Beruhigung in Stress- und Krisensituationen wie z.B. Beruhigung durch bewusstes Atmen oder mit Hilfe von entspannenden, stärkenden Vorstellungsbildern (Imaginationen) vermittelt werden, die dann zu Hause weiter geübt werden müssen. Bewältigungsstrategien für den Umgang mit sich plötzlich aufdrängenden Erinnerungen, die von schmerzlichen Gefühlen, Gedanken und heftigen Handlungsimpulsen sowie Erleben von "innerem Chaos" verbunden sein können, werden ebenfalls vermittelt und geübt. Stabilisierung bezieht sich aber auch auf den konkreten Alltag: Arbeits- und Wohnsituation, Partnerschaft, Verhältnis zu den eigenen Kindern, Bezug zur Herkunftsfamilie sowie Freundeskreis und soziales Netz. Darüber hinaus ist es mir wichtig, dass vorhandene, im Moment evtl. verschüttete Ressourcen (Kraftquellen) aktiviert werden, um für das Durcharbeiten des Traumas gut gerüstet zu sein.

Traumabearbeitung darf erst erfolgen, wenn die traumatisierte Person ein gewisses Maß an (innerer und auch äußerer) Stabilität erreicht hat!

Diese Phase kann je nach Vorbelastung durch Traumata und andere ungünstige Lebenserfahrungen (z.B. chronische erfolgte Traumatisierungen mit Beginn schon in der Kindheit, extreme Dissoziationen) recht viel Zeit in Anspruch nehmen oder aber auch recht zügig erfolgen (wie z.B. bei einem einmaligen Erlebnis im Erwachsenenalter ohne weitere Vorbelastungen).

2. Bearbeitungsphase

In der sich anschließenden Expositionsphase (auch Konfrontationsphase genannt) steht eine gezielte und kontrollierte Konfrontation mit den traumatischen Erlebnissen im Vordergrund. In dieser Phase wird das Trauma mithilfe spezieller Techniken noch einmal durchgearbeitet, so dass es als bedeutend weniger belastende Erinnerung im Gedächtnis abgelegt werden kann. Das heißt, durch die Konfrontation mit dem Trauma erlangen Sie die Kontrolle über die Erinnerungen daran, so dass Sie diesen nicht hilflos ausgeliefert sind. Gleichzeitig werden das Leid und die Belastung, die durch die Erinnerung an das Geschehen ausgelöst wird, deutlich weniger werden. Ich beherrsche unterschiedliche Konfrontationstechniken (s.u.) und ich entscheide gemeinsam mit Ihnen, welches Verfahren für Sie in ihrer Individualität passend erscheint. Manchmal ist es auch sinnvoll, mehrere Verfahren miteinander zu kombinieren.

3. Integrationsphase

Den Abschluss der Traumabearbeitung bildet die Integrationsphase. Hier wird es darum gehen, das Erlebte in die eigene Lebensgeschichte einzuordnen, ihr einen (neuen) Sinn zu geben. Ausreichend Zeit, um bestimmte Gegebenheiten im Leben zu betrauern (z.B. dass wegen der traumatischen Erlebnisse bestimmte alterstypische Erfahrungen nicht (ausreichend) gemacht werden konnten) ist hierbei wichtig, ebenso sich selbst zu trösten und Trost durch Andere anzunehmen. Letztlich ist es für uns alle heilsam, auch die Schwierigkeiten unseres bisherigen Lebenswegs (Versäumnisse, Ungerechtigkeiten, Schuld, Bedauern etc.) stimmig annehmen bzw. sich damit versöhnen zu können. In dieser Phase entwickeln und etablieren sich neue Perspektiven und es geht darum, sich „das Leben zurückzuerobern“! 

Therapieverfahren zur Bearbeitung von Traumafolgestörungen:

In den unten genannten Therapieverfahren habe ich eine Weiterbildung bzw. Fortbildungsseminare absolviert. Bei der Bearbeitung der psychischen Folgen von Traumatisierungen nutze ich diese, um eine Besserung der Symptomatik und eine Verarbeitung des Erlebten zu ermöglichen. Eingebettet ist meine Arbeit dabei in das Gesamtkonzept eines systemischen Therapieverständnisses. Generell habe ich die Erfahrung gemacht, dass es wichtig ist, nicht nur beim Reden zu bleiben, sondern insbesondere auch körpertherapeutische Aspekte einfließen zu lassen. Meine laufende körpertherapeutische Ausbildung ist inzwischen ein wichtiger Grundstein bei der Behandlung von Traumata, onsbesondere bei Bindungstraumata.

1.)  EMDR   

EMDR ist die Abkürzung für „Eye Movement Desensitization and Reprocessing“, auf Deutsch „Resensibilisierung und Neubearbeitung mit Augenbewegungen“, ein von der klinischen Psychologin Dr. Francine Shapiro Ende der 80er Jahre entwickeltes Therapieverfahren, das seit Mitte der 90er Jahre erfolgreich in der Trauma-Therapie eingesetzt wird und immer mehr Anwendung auch in den Bereichen Beratung, Training und Coaching findet.

Dieses Therapieverfahren zeichnet sich dadurch aus, dass es traumatische Erinnerungen mittels bilateraler Stimulation (Augenbewegungen, aber auch Bewegungen mit den Händen) bearbeiten hilft. Es kommt dadurch zu einer beschleunigten Informationsverarbeitung in den Hirnregionen und Nervennetzwerken, in denen das traumatische Erleben bisher wie "eingefroren" und abgespalten vom Alltagsbewußtsein gespeichert ist. Auf diese Weise wird die Selbstheilung angeregt und unterstützt.

EMDR eilt manchmal der Ruf voraus, besonders effektiv und schnell (in nur wenigen Sitzungen) Traumata auflösen zu können. Dies trifft tatsächlich für die Bearbeitung von bestimmten traumatischen Erlebnissen zu (z.B. bei einem Monotrauma, einer erstmaligen traumatischen Erfahrung bei einem Erwachsenen) oder wenn einzelne Belastungen bearbeitet werden sollen. Dann können bereits nach wenigen Stunden beachtliche Erfolge erreicht werden.
Für wiederholte Traumata oder für massive Traumatisierungen in der Kindheit und Jugend gilt dies jedoch weniger. Hier ist meist mit wesentlich längeren und komplizierteren Therapieprozessen zu rechnen.

Problembereiche, bei denen generell eine EMDR-Traumatherapie hilfreich sein kann:

  • Traumatische Erlebnisse
  • Depressionen
  • Ängste (z.B. Flugangst, Höhenangst)
  • Phobien
  • Zwänge
  • Psychisch bedingte körperliche Erkrankungen
  • Selbstwertprobleme
  • Akute Lebenskrisen
  • Chronische Schmerzen
  • Allergien
  • Schlafprobleme
  • Unbewältigte Trauer
  • Belastungen bei unheilbaren Krankheiten
  • Suchtprobleme
  • Schlafprobleme
  • Burnout

Film  zu EMDR

Hier finden Sie einen kurzen Film zur Einführung in das Therapie-verfahren, erstellt von der deutschen Fachgesellschaft für EMDR: http://vimeo.com/107451758

Artikel zu EMDR:

Hier finden Sie eine kompakte Darstellung des Verfahrens sowie eine detaillierte Beschreibung des Vorgehens:

In: Deutsches Ärzteblatt 11/2013, PDF-Dokument [313.0 KB]
s512.pdf

1.2 EMDR für Babys

Die Original-EMDR-Technik von Francine Shapiro wurde u.a. von Dr. rer. pol. Ayleen Scheffler-Hadenfeldt zur Elternschule „EMDR für Babys“ weiterentwickelt. Dies findet besonders nach schwierigen Geburtssituationen (Kaiserschnitt, Zangengeburt, Einsatz der Saugglocke, Übertragen des Kindes, extrem schnelle Geburtsverläufe, Frühgeburt etc.) Anwendung.  Wir merken, dass unser Baby sich unwohl fühlt, vielleicht häufig schreit oder vor sich hinwimmert, vielleicht auch seufzt oder ganz unzufrieden wirkt. Wir schlaflose Nächte verbringen und schier hilflos sind. Sofern kein körperlich abgeklärtes Problem bei Ihrem Baby vorliegt, kann auch ein Baby schon unverarbeitete Probleme durch ein Geburtstrauma, Trennung von der Mutter, Probleme in der Schwangerschaft oder andere Auslöser haben.

EMDR für Babys setzt anders als bei älteren Kindern oder Erwachsenen nicht auf einer kognitiven Ebene an, sondern auf der rein emotionalen und körperlichen Ebene, auf der dann auch belastete Erlebnisse verarbeitet werden. Auf sehr behutsame, sanfte Weise nähern wir uns gemeinsam Ihrem Kind und schauen,w elche Methode ihm am besten gefällt, wie es entspannen und loslassen ann. Ziel ist es dabei, die Mutter oder den Vater anzuleiten, dies selbst durchzuführen, damit dies eine tägliche Begleitung für Ihr Kind wird und dabei auch die Bindung zwischen Mutter / Vater und Kind gestärkt wird. So lernt Ihr Baby (wieder) zu vertrauen und die Welt als einen sicheren Ort zu begreifen. Mit allen Sinnen soll es sich geborgen und wohl fühlen.

Damit fördert diese sanfte Methode die gesunde Entwicklung, das Geburtstrauma wird verarbeitet, Schreibabys beruhigen sich, gestörtes Bonding kann heilen und ganz nebenbei wird auf sanfte Art die Wahrnehmung Ihres Babys geschult.

Mit EMDR und meiner Erfahrung als Mutter von zwei Babys, die ebenfalls unter schwierigen Geburtsverläufen zu leiden hatten, biete ich Ihrem Baby diese Methode zur Gefühlsverarbeitung an. Sie bedarf nicht der Sprache und ist so optimal für unsere jüngsten Erdenbürger geeignet. Es sind sanfte und effektive Methoden, mit der frühkindliche Belastungen liebevoll gelöst werden können.

Ihr Baby erhält so die Möglichkeit, seine emotionalen Blockaden aufzulösen und sich sowohl psychisch als auch physisch zu entspannen. Damit fördern wir das Wohlbefinden Ihres Babys und  bereiten den Weg für eine gesunde und zufriedene Entwicklung Ihres Babys.

2. CIPBS

CIPBS wurde von Christa Diegelmann entwickelt und ist ein EMDR-bezogenes Verfahren zur Trauma- und Konfliktbearbeitung. Das Behandlungskonzept greift verschiedene bereits bestehende Therapiekonzepte auf (EMDR, Maltherapie, Katathym-imaginative Psychotherapie) und fügt sie unter dem Titel "Conflict Imagination, Painting and Bilateral Stimulation“ (CIPBS® Diegelmann 2007) zu einem schonenden ressourcen-orientierten Therapieverfahren zusammen. 

Ähnlich der EMDR Therapie ist auch das CIPBS® -Verfahren in verschiedene Behandlungsphasen gegliedert. Dabei  wird der Konflikt bzw. die belastende Situation imaginiert, also vor dem geistigen Auge hervorgerufen, das innere Bild gemalt und danach erfolgt eine zweiseitige, taktile Stimulation.

Ähnlich wie bei EMDR lässt sich hier eine gute und zügige Bearbeitung von Trauma- und Konfliktsituationen sowie eine Neubewertung der gemachten Erfahrungen erreichen. Dieses Konzept bewährt sich sehr bei posttraumatischen Belastungsstörungen und Traumafolgestörungen wie nach Missbrauchserfahrungen. Aber auch Angststörungen, vor allem Schulangst und phobische Ängsten, Essstörungen lassen sich damit gut bearbeiten. Darüber hinaus kann es auch als wirkungsvolles Selbstmanagement eingesetzt werden kann.

Das Besondere an diesem Verfahren ist, dass es erfolgreich eingesetzt werden kann, auch wenn die KlientIn über das zugrunde liegende Trauma oder die Belastung nicht gesprochen werden kann.

3. PITT

Die psychodynamisch imaginative Traumatherapie (kurz: PITT) wurde in Deutschland von Luise Reddemann entwickelt und stellt eine Weiterentwicklung der psychodynamischen Psychotherapie dar, bei der besondere Aspekte berücksichtigt werden.

Patienten, die schwierige biografische Erlebnisse traumatisch verarbeitet haben, leiden häufig an zahlreichen Symptomen einer Posttraumatischen Belastungsstörung. Dazu gehören beispielsweise erhöhte Schreckhaftigkeit oder Albträume. Außerdem erleben diese Patienten sogenannte „Flashbacks“, also Nachhallerinnerungen, bei denen sie erneut die Gefühle empfinden, die mit dem traumatischen Erlebnis zusammenhängen.

Die Posttraumatische Belastungsstörung wirkt sich auch körperlich aus: Das vegetative Nervensystem, das Körperfunktionen wie das Atmen oder den Stoffwechsel kontrolliert, befindet sich in einem überaktiven Zustand. Das kann sich zum Beispiel durch Herzrasen, Schwitzen oder Schlafstörungen ausdrücken. In der Behandlung spielen deshalb neurophysiologische Vorgänge, also das Zusammenspiel zwischen Nervensystem und Muskeln, eine sehr bedeutende Rolle. Aus diesem Grund ist Körpertherapie ein wichtiger Bestandteil der Behandlung, die Patienten lernen also zum Beispiel Entspannungstechniken kennen.

Ein besonderes Augenmerk liegt während der Behandlung darauf, dass die Patienten jederzeit „Herr des Geschehens“ bleiben. Sie erhalten Hilfen in den Phasen von Unsicherheit und zeitlich oder örtlicher Desorientiertheit. Sie lernen mittels Imaginationen, ihr aufgewühltes Nervensystem zu beruhigen („sich selbst beruhigen, sich in den Arm nehmen“) und ihr Inneres zu stabilisieren.

Wenn die Patienten ausreichend stabil sind und sich selbst gut regulieren können, kann die Therapie in einer fortgeschrittenen Phase die Trauma-Inhalte in den Blick nehmen. Ziel ist es dann, das Trauma zu bearbeiten und zu integrieren. Es geht hier also nicht darum, Traumata aus der Erinnerung zu löschen, sondern darum, ihre Wirkung zu entkräften. Dadurch soll der Patient das Trauma akzeptieren und seine Folgen handhaben können. Während der gesamten Behandlung stellen die Behandler eine Atmosphäre von Empathie, Wertschätzung, Respekt und hoffnungsvoller Zugewandtheit her.

4. IRRT

Die Abkürzung IRRT steht für „Imagery Rescripting and Reprocessing Therapy“, zu Deutsch „Umformung und Neuverarbeitung auf der Vorstellungsebene“ und ist ein Behandlungsansatz, der entwickelt wurde, um Menschen zu helfen, ihre Trauma-Erinnerungen zu überwinden und zu kontrollieren. Die Behandlung kann außerdem helfen, ein gesünderes Selbstbild und vermehrte Kontrolle über das Alltagsleben zu entwickeln und damit im Leben erfolgreich vorwärts zu gehen.

Dabei wird zu einem großen Teil mit Imaginationen gearbeitet. Das heißt, die KlientIn wird gebeten, sich die traumatischen Bilder, Gedanken und Gefühle bildlich vorzustellen und sie zu durchleben, so wie man diese während eines Flashbacks oder Albtraums erlebt.

Das Ziel ist, die Bilder von Hilflosigkeit und Ausgeliefertsein mit Stärke- und Bewältigungsbildern zu ersetzen, so dass man dem Trauma nicht länger als Opfer/ Untergebener gegenübersteht, sondern als gestärkte Person auf das Erlebte reagieren kann. Das verändert natürlich nicht das traumatische Ereignis selbst, aber es kann die Bilder, Gedanken, Gefühle und Überzeugungen in Bezug auf das Trauma verändern, also die Bilder, die man von dem Trauma immer noch hat.

Die IRRT hat sich v.a. als eine effektive Methode herausgestellt, wenn die zentrale Emotion nicht Furcht ist, sondern (auch) andere Gefühle wie Schuld, Scham, Ekel und Wut vorherrschen und eine reine Konfrontation mit dem primären Gefühl der Angst nicht ausreicht. Im Rahmen von Imagery Rescripting Sitzungen können solche Emotionen gezielt aktiviert und verarbeitet werden.